«

»

Print this Post

An eine Dame

(flüchtig gesehen in Vauxhall)

Fünf Jahre ebbt das träge Meer der Zeit,
Und langsam rann der feine Stundensand,
Seit du den Handschuh zogst von weißer Hand
Und ich mich fing in deiner Lieblichkeit.

Und dennoch: schau ich auf zum Sternenlicht,
So zeigt Erinnrung deiner Augen Glanz,
Und seh ich rosiger Rosen zarten Kranz,
Denkt meine Seele nur an dein Gesicht.

Kein Knospenschwellen kann mein Auge sehen,
Ohn’ daß mein töricht Ohr sich neigt und lauscht,
Um deines Mundes Worte zu verstehen.

So wird in jedes Glück dies Deingedenken
– Wie tiefre Lust, die inniger berauscht –
Den süßen Stachel seiner Schmerzen senken.

(Übersetzung von  John Keats Gedichte  – “Time’s Sea Hath Been Five Years at Its Slow Ebb“)

Übersetzt von Gisela Etzel (1880-1917)

Permanent link to this article: http://keats-poems.com/an-eine-dame/